Sterne, © Isabella Krobisch
Sonnenuntergang MB, © Stadt Miesbach

Über die Hoffnung

„Hoffnung ist sowas wie Glück. Es wohnt tief im Bauch und ist ein warmes, gutes Gefühl.“ Mit diesen Worten hat ein Schüler der 4. Klasse in der GMS Schliersee ein Gefühl beschrieben, auf das wir uns gerade in der Weihnachtszeit wieder besinnen.

 

Den Weg der Hoffnung gehen

Wann immer Menschen in Bedrängnis sind – und wir sind es in dieser Weihnachtszeit noch stärker als in den Jahren zuvor – müssen wir überlegen, wie es weitergehen soll. Gut ist es, wenn wir dann positive Impulse zu Hilfe nehmen, um neue Wege zu finden. Dabei ist gerade die Hoffnung ein uraltes Prinzip der Menschheit: Im Grunde hoffen wir doch bei allem, was wir beginnen, darauf, dass es gut enden möge. Denn – Hand aufs Herz – eine Gewissheit, dass am Ende unserer Bemühungen ein gutes Ergebnis steht, haben wir nicht. Schon im 1. Jahrhundert nach Christus schrieb daher der Apostel Paulus am Ende seines ersten Briefes an die Korinther: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei […].“ (1. Korin 13). 

 

Die Hoffnung der Ukraine

Was hat die Menschheit seither alles erlebt! Kopfschüttelnd und entsetzt steht man vor der Weltgeschichte, die in diesem Jahr einen neuen Krieg nach Europa gebracht hat. Nur 1741 Kilometer ist Kiew von Miesbach entfernt. Bei wenig Verkehr ist die Strecke in 18 Stunden und 18 Minuten zu schaffen. Doch diese Nähe hat auch ein Gutes: Seit Ende Februar 2022 sind viele Familien vor dem Krieg in der Ukraine zu uns geflohen. Stellvertretend für sie erzählt Irina Titov, die schon seit über 20 Jahren in Miesbach lebt, was ihren Landsleuten Hoffnung gibt: „Hoffnung ist, wenn man in einer Sackgasse gefangen ist und wenn man dann wieder an andere Wege denken kann.“ In genau diesem Sinn, sagte sie ist Miesbach für viele Ukrainer ein starker Hoffnungsort: „Oft sind es nur die Kinder mit der Mutter und der Oma, die hierherkommen. Die Kinder sind in der Schule und lernen Deutsch – wenigstens ein bisschen, denn sie wissen nicht, wie es weitergehen wird.“

 

Kleine Schritte machen

Hoffnung kann für sie bedeuten, dass sie hier einen neuen Anfang finden – es kann aber auch bedeuten, dass sie wieder zurückkehren können in die Heimat.
In dieser Zeit der großen Unsicherheit bedeutet es den Familien viel, hier Hilfe zu erfahren. Dass es dabei keinen Leistungsdruck gibt, dafür sind die ukrainischen Familien dankbar, denn es ist schon so schwer genug, eine Position zwischen den verschiedenen Hoffnungen zu finden. Viel Lob hat Irina Tittov für die Volkshochschule und die Behörden wie das Landratsamt, die tatkräftige Unterstützung und Hilfen bieten. „Miesbach ist wie ein Hafen, in dem meine Landsleute ausruhen und neue Kraft schöpfen können. Dafür sind sie unendlich dankbar.“

 

Triebfeder Hoffnung

Weltweit sind es 100 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind – vor Hunger und Krieg, vor Unterdrückung… Doch Hoffnung brauchen nicht nur sie. Wir fürchten um die Stabilität, dir wir erschaffen haben und die momentan in Gefahr ist. Wir fragen uns zurecht: „Wie wird es weitergehen mit der Inflation, mit den Kosten für Energie, mit unseren Politikern, mit der Nato, mit dem Einkommen, mit der Rente, mit dem Klima, mit dem Gesundheitssystem…?“ Wenn man täglich die Nachrichten ansieht, kann eigentlich nur ein beklommenes Gefühl haben, wenn man an die Zukunft denkt.

Wie soll man also diesem negativen Sog entkommen, wenn nicht durch die Hoffnung darauf, dass es wieder besser wird?

 

Weihnachten – Fest der Liebe und der Hoffnung

Gut, dass jetzt Weihnachten kommt. Das Fest der Liebe ist ja auch das Fest der Hoffnung. Und für gläubige Menschen ist Jesus Christus die Macht, die alle Hoffnung verkörpert. Der Tag seiner Geburt ist der Tag, an dem auch die Hoffnung wiedergeboren wird.

Das gilt nicht nur für die ganze Welt – das gilt für jeden einzelnen: Weihnachten ist eine Zeit, in der sich die Welt ein klein wenig langsamer zu drehen scheint. Wer will, kann sich jetzt Zeit für die innere Einkehr nehmen: Wer das Jahr versöhnlich beendet, wer verzeiht und Streit begräbt, hat gute Chancen, inneren Frieden zu spüren und vielleicht inmitten der Choräle der Weihnachtszeit auch ein Stück Hoffnung darauf zu finden, dass alles gut wird.

 

Voller Hoffnung arbeiten

Schon Aristoteles (384-322 v. Chr.) sagte: „Die Hoffnung ist ein Wachtraum.“ Was zunächst unverständlich klingt, ist die weise Erkenntnis des großen griechischen Philosophen, dass wir die Zukunft erst „träumen“ müssen, ehe wir sie voller Hoffnung zu gestalten versuchen.
Denn natürlich reicht es nicht, zu hoffen und zu beten! Man muss etwas dazu tun, muss aktiv werden, sich einsetzen. Ob es dabei um das große Ganze geht – den Weltfrieden, das Klima, Gerechtigkeit, den Verzicht auf Plastik, den Schutz der Natur und der Arten, das Ende des Krieges – oder um einfache und kleine Dinge… Stets heißt es, selbst etwas tun. Man muss die Dinge anpacken und bereit sein, etwas zu bewegen.

 

Miesbach bewegen

Übrigens muss Hoffnung nichts Großes sein. Hoffnung kann man auch dafür haben, dass ein Plan gut ausgeht, dass sich eine Unternehmung lohnt, dass sich ein Streit auflöst… Und wir in Miesbach haben zudem konkrete Projekte, von denen wir hoffen, dass sie gut ausgehen. Da wäre die Umgestaltung der Riviera, der Inklusionsspielplatz am Nordgraben, das Kinderhaus im Klostergelände, der Traum vom renovierten Freibad, die nahende Eröffnung des Katholischen Pfarrheimes und so viele kleine Projekte, die im Werden sind.

 

Stadt mit Hoffnung

Hätten Sie gedacht, dass man sich in dieser Adventzeit in Miesbach „eine Tüte“ Hoffnung kaufen konnte? Tatsächlich hat seit Ende November der „Kiosk der Hoffnung“ vor dem Waitzinger Keller seinen Platz. Errichtet hat das entzückende weiß-blau gestrichene Lädchen die Miesbacher Kunstpädagogin Barbara Gerbl im Rahmen des Projektes Hoffnung, das sie mit Religionspädagogin Ursula Schoner und den 2. bis 9. Klassen im Landkreis realisiert hat. Entstanden sind über 200 Bilder der Hoffnung.

Nun ist Hoffnung für Kinder kein ganz einfaches Thema. Um den jungen Künstlern die Auseinandersetzung leichter zu machen, hat Barbara Gerbl ihnen einen Text aus dem Lied „Speranza“ (dt. Hoffnung) von Gianni Rodari vorgelesen, in dem es heißt: „Wenn ich einen Laden hätte | und wäre es nur ein Kiosk. | Wisst ihr was ich verkaufen würde? Na, was meint ihr?“

Aus diesen wenigen Worten hat Barbara Gerbl ein Theaterstück kreiert, in dem die Hoffnung die Hauptrolle spielt. Und als Extra haben die Zuschauer starke und verständliche Symbole erhalten, die uns Hoffnung machen sollen: Sterne und Blüten, aber auch Engel. Sie sollen uns erinnern, dass es Hoffnung in vielen Formen gibt. Manchmal sind sie ganz klein: So haben sich die Kinder des „Projektes Hoffnung“ manchmal einfach nur gewünscht, dass die Eltern mit ihnen spielen oder besser zuhören.

 

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser der Stadtgeschichten ein gutes neues Jahr.

Möge Ihre Hoffnung Wirklichkeit werden.

 

Ihr Team der Miesbacher Stadtgeschichten

Isabella Krobisch (Leitung) und Amelie Knaus (PR/Veranstaltungsorganisation)

Marisa Blank (Marketing / Social Media / Grafikdesign)

Selina Benda und Verena Wolf (Texte)

Ein herzlicher Dank auch an unsere Fotografinnen und Fotografen.

 

Text: Verena Wolf
Fotos: Isabella Krobisch

Impressionen

Sterne, © Isabella Krobisch
Sterne

© Isabella Krobisch

Stern, © Isabella Krobisch
Stern

© Isabella Krobisch

Stern, © Isabella Krobisch
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© Isabella Krobisch