Kasten Hopf Weißbier, © Brauerei Hopf
Familie Hopf, © Alexander Langheiter

Hopf – eine Familie und eine Brauerei

Hopf – eine Familie und eine Brauerei

 

Die Weißbierbrauerei Hopf feiert im Jahr 2021 ihr hundertjähriges Bestehen. Dies ist Anlass, der Geschichte der Brauerei nachzuspüren. Dazu habe ich im Frühjahr ein Interview mit der Familie Hopf geführt. Sie hatten der Brauerei ihren Namen gegeben und in ihrem Besitz befand sie sich von 1921 an bis vor 15 Jahren.

 

Ein echter Familienbetrieb

Die Brauerei war gerade die ersten Jahrzehnte ein echter Familienbetrieb. Im Gespräch mit der heutigen Familie, wird dies lebendig. Der Senior und langjährige Eigentümer Johann Hopf gab hier bereitwillig Auskunft, ebenso seine Frau Vilma und die beiden Töchter Micol und Bianca. Lediglich die jüngste Tochter Valeria konnte nicht teilnehmen, da sie schon einige Jahre in New York lebt.

Das Gespräch findet im schönen Haus der Familie in Miesbach statt. Ein entspanntes Umfeld für eine anregende Unterhaltung. So braucht es kaum eine Aufforderung und die Fäden der Unterhaltung gehen schon bald zurück in die früheste Geschichte. Es ist die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, eine wirtschaftlich schwere und politisch unruhige Zeit. Die beiden Brüder Josef und Johann Hopf wagen trotzdem einen neuen Aufbruch. Sie waren gebürtig aus der Landshuter Gegend und hatten in Garmisch und Fischbachau bereits als Brauer gearbeitet. 1921 ergibt sich nun die Gelegenheit in Miesbach eine brachliegende Weißbierbrauerei käuflich zu erwerben und selbständig zu werden. Die Brauerei war bereits durch mehrere Hände gegangen und der Erste Weltkrieg brachte sie zum Erliegen. Kein Wunder: Es war nie mehr als ein Ein-Mann-Betrieb gewesen – und wenn dieser „Eine-Mann“ nun in den Krieg muss, wer sollte weiter Bier brauen?

Mit den Gebrüdern Hopf wird die Brauerei endlich auf gesunde Füße gestellt. Der Betrieb wird fest am Marienplatz etabliert. Noch heute ist dort das beliebte Weißbräustüberl zu finden.

Die Erinnerungen der Familie geben viele reizvolle Anekdoten preis. So etwa, wie die Tochter des Josef Hopf, Maria, während des Zweiten Weltkrieges mit Kostüm und Hütchen am Steuer des Lieferwagens die Ausfuhren übernahm. Das ist mal eine Bierfahrerin! Der Anlass war aber ein bitterer gewesen: Die Brüder im Kriegsdienst, der Vater zu alt und kriegsversehrt vom Ersten Weltkrieg. So übernahmen die Frauen kurzerhand das Ruder, denn die Mutter Maria war nun hauptverantwortlich für das Brauen des Weißbiers.

Der Krieg selbst war natürlich keine reizvolle Angelegenheit, vielmehr auch für Familie und Brauerei eine Katastrophe, die man nur mit viel Glück überlebte. Die Nachkriegszeit wartete aber dann dafür mit guten Zeiten auf: Der Betrieb begann sich zu vergrößern. So musste der Braubetrieb in die Schützenstraße verlegt werden. Den ersten Spatenstich durfte damals schon der Sohn Johann jun. im zartesten Kindesalter vornehmen. Er sollte ab 1979 die Brauerei in dritter Generation weiterführen. Unter ihm gelang etwas, was man Weißbierbrauereien lange nicht zutraute: Sie wuchsen von einem Jahresausstoß von 8.000 auf 46.000 Hektorliter!

 

Mehr als nur ein Ausnahmegetränk

Blickt man aber zu den großen Playern der Branche, so sind das nie Weißbierbrauereien. Dies liegt daran, dass Weißbier lange Zeit ein Ausnahmegetränk war. Wie sagte Johann Hopf so schön im Gespräch: „Früher beim Weißbier, das waren ja nur zwei Tragl in der Woche bei jedem Wirt. Und zwar nur am Sonntagvormittag. Sonst hat man kein Weißbier getrunken.“

Das Wachstum blieb daher lange bescheiden. Verschiedene Aspekte führten aber dazu, dass die Nachfrage stieg: die Trinkgewohnheiten änderten sich und die allgemeine Zunahme des Wohlstandes waren eine Grundvoraussetzung. Zudem wurde Weißbier wegen seiner isotonischen Wirkung bei Sportlern immer beliebter – gleichzeitig mit dem Wachsen der Fitnessbewegung. Sinnfällig wurde das mit dem Weißbierfest, welches die Brauerei erstmals 1978 ins Leben rief. Ausgegangen war dies durch den Wunsch von Fußballern, gemeinsam mit Weißbier zu feiern. Kurzerhand wurde ein zunächst recht improvisiertes Fest auf die Beine gestellt – inklusive Zirkuszelt und tatkräftiger Mithilfe von aller Beteiligten. Heute ist das Weißbierfest aus dem Jahreslauf der Stadt Miesbach als feste Größe nicht mehr wegzudenken.

Wichtig für die steigende Beliebtheit von Weißbier waren aber Innovationen, bei denen die Brauerei Hopf eine treibende Kraft war: das alkoholreduzierte oder –freie Weißbier wurde kreiert, dazu dunkle Weiße und andere Sorten. Zudem gelang die Fassabfüllung, was den Vertrieb ins Ausland erstmals ermöglichte. Hier spielte auch die Frau von Johann Hopf, Vilma, eine wichtige Rolle: Als gebürtige Italienerin konnte sie helfen, diesen wichtigen Markt zu erschließen. Gerade in von Deutschen besuchten Urlaubsregionen war Weißbier nun immer gefragter. Bis in die USA und nach Thailand reichten in guten Zeiten die Geschäftsbeziehungen. In Szene gesetzt hat die Nachfrage der urlaubenden Deutschen übrigens kein geringerer als Gerhard Polt in seinem Film „Man spricht deutsh“ (1988).

In der Heimat war Weißbier ein selbstverständliches Angebot bei Festen und Feiern geworden. Hopf hatte daher auch ab 1990 einen Stand auf dem Tollwood-Festival in München. Der Fußballprofi Klaus Augenthaler warb für die Brauerei und Marcus H. Rosenmüller widmete dem Getränk einen seiner ersten Kurzfilme „Die Ode an das Weißbier“ und baute die Brauerei in seinen Kinohit „Wer früher stirbt ist länger tot“ ein.

 

Tradition auch für die Zukunft

Das Engagement der Brauerei als Werbepartner und Sponsor war und ist eines der Elemente, welche schon seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil gehört. Hier hatte schon Johann Hopfs gleichnamiger Vater Johann sen. Maßstäbe gesetzt. Zudem war er engagierter Kommunalpolitiker und 1960-66 der 2. Bürgermeister von Miesbach.

Nochmal geht hier dann der Blick zurück: Stammten die ersten Brüder noch aus einer kinderreichen und wenig begüterten Bauernfamilie, so waren die Miesbacher Hopf zu einer angesehenen Brauerfamilie geworden. Immer war ihnen wichtig, dass der Betrieb lebensfähig bleibt. Man half daher mit, wo es ging. Geschwister wurden frühzeitig ausbezahlt, damit es beim Übergang zur nächsten Generation keine Probleme gab.

Aber ein Geschäftsbetrieb ist natürlich nicht nur eitel Sonnenschein. Das erfährt man im Gespräch mit der Familie Hopf auch. Hier kann neben dem ehemaligen Seniorchef Johann Hopf seine Tochter Bianca aus ihrer Erfahrung schöpfen. Schließlich war sie das letzte Familienmitglied in der Geschäftsleitung. Die Eltern wollten keines ihrer Kinder gegen ihren Willen drängen, in den Betrieb einzusteigen. Gerne hätte man es sicher bei jedem gesehen, das merkt man natürlich. Denn eines fällt bei allem auf: die Familie hält zusammen, die Verbundenheit ist eine Selbstverständlichkeit!

Als Eigentümer eines mittelständischen Unternehmens hat man die Verantwortung für seine Mitarbeiter. Immer wieder stehen große Investitionen an, die einem schon mal den Schlaf rauben können. Die aktuelle Corona-Krise wäre so ein Fall, bei dem man nicht sicher sein kann: Überlebt der Betrieb? Hat man die Weichen richtig gestellt?

Hier hat die Familie vor nun schon 15 Jahren den Entschluss gefasst, die gut gehende Weißbierbrauerei an den „großen Bruder“ Hacker Pschorr in München zu verkaufen. Unter deren Dach kann die Brauerei im alten Stil weiterbestehen – die Mannschaft und die Brauweise wurden übernommen. Aber das finanziell dickere Polster und die breiteren Schultern des Münchner Partners werden die Weißbierbrauerei sicher in die Zukunft führen.

So endet das Gespräch positiv, denn alle sind sich einig: Man blickt auf eine spannende Familien- und Betriebsgeschichte zurück – aber die Zukunft liegt nun in guten Händen! Darauf stoßen wir mit einem Hopf an – was sonst!?

 

Text: Alexander Langheiter
Bilder: Brauerei Hopf, Carl Langheiter, Stadtarchiv Miesbach

Impressionen

Stadt Miesbach, © Dietmar Denger
Stadt Miesbach

© Dietmar Denger

Stadtführungen_Drohnenaufnahme Miesbach_1920x1280
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Miesbacher Tracht_Titel_Stadtplatz
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Genussführung_Sonja_Still (2)
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MB_Wochenmarkt-0081_1920x1280
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