Hund der BRK Hunderettungsstaffel, © Selina Benda
BRK Mitarbeiter mit Rettungshund, © Selina Benda

Die Retter auf vier Samtpfoten

BRK-Rettungshundestaffel Kreisverband Miesbach

BRK-Rettungshundestaffel Kreisverband Miesbach

„Unser oberstes Ziel ist es, Menschenleben zu retten“ – das ist der Leitzsatz der Rettungshundestaffel Miesbach, ein Fachdienst des Miesbacher Kreisverbandes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Dabei arbeiten die Mensch-Hund-Teams in einer faszinierenden Art und Weise zusammen, um vermisste oder verunglückte Personen wieder zu finden. Die Miesbacher Stadtgeschichten durften sie bei einem Trainingseinsatz begleiten.

Ich sitze zusammengekauert auf einer Isomatte, zwischen Bäumen und Büschen. Irgendwo in einem Wald in Glashütte in Kreuth. Ich bin weder verletzt, noch werde ich vermisst, aber ich soll gefunden werden – und zwar von Lando. Der zehn Jahre alte Hütehund ist mit seiner Hundeführerin Helga Leisner einige Meter weit weg im Wald unterwegs. In der Ferne höre ich nur sein Glöckchen bimmeln, eine zarte Ankündigung seiner Anwesenheit. Ich sitze in meinem Versteck nicht alleine. Christian Schubert hockt neben mir auf der Isomatte und erklärt mir flüsternd was nun geschehen wird. Der Schlierseer ist seit eineinhalb Jahren der Leiter der Miesbacher Rettungshundestaffel und ist oft die Person im Versteck, ein sogenannter Helfer. Denn die brauchen die Teams, um bei ihren wöchentlichen Trainings realitätsnahe Situationen für die Hundeführer und ihre Vierbeiner nachstellen zu können. Ebenso brauchen sie auch ständig neue Waldgebiete zum Üben im Landkreis verteilt, damit den Vierbeinern nicht langweilig wird.
 

Rettung zu jeder Zeit

Im Juni 2010 wurde die Rettungshundestaffel als eigene Arbeitseinheit beim BRK Miesbach eingegliedert und ist seitdem bei der Integrierten Leitstelle und der Polizei im Landkreis als Einsatztruppe hinterlegt. Schrillt der Piepser bei Staffelleiter Christian Schubert, wird das Team aus derzeit 25 aktiven Hundeführern und rund 30 Hunden angefordert, um eine verunglückte oder vermisste Person zu finden. Dann heißt es alles stehen und liegen lassen, den Hund und die Ausrüstung ins Auto packen und zum Einsatzort fahren. „Das kann dann schon auch mal am Weihnachtsabend mitten unterm Essen passieren“, erzählt der Schlierseer. Wie etwa vergangenes Jahr, als ein Wanderer bei einem Schneesturm an der Huberspitz in Hausham vermisst wurde.
 

Erfahrene Spürnase

Zurück in den Wald. Ich höre plötzlich die sogenannte Bärenglocke immer lauter werden. Diese hängt gemeinsam mit einer kleinen Lampe an Landos Kenndecke, die der Rüde mit dem bekannten Roten Kreuz-Zeichen auf dem Rücken trägt. Das trockene Herbstlaub raschelt und plötzlich steht der Hund direkt vor uns und blickt uns kurz an. Eins, zwei, drei Sekunden. „Wau, wau, wau.“. Lautstark macht der Vierbeiner auf seinen Fund aufmerksam. Christian Schubert füttert den Hund mit einem Leckerli, doch der bellt weiter. Denn auch wenn er für seinen erfolgreichen Fund bereits belohnt wurde, Lando muss so lange weiter bellen, bis Helga Leisner bei uns ist. Vom Verstecken bis zum Finden hat es nicht einmal zehn Minuten gedauert. „Mit sechs Jahren sind die Hunde auf ihrem Leistungshöhepunkt, danach nimmt die Sehkraft, Kondition und Riechleistung Stück für Stück ab“, erklärt mir Johannes Buitkamp, einer der fünf Ausbilder in der Rettungshundestaffel. Doch der Nachwuchs steht etwa in Form der vier Monate alten Hündin Lieke von Chris schon in den Startlöchern.
 

Ziel ist Menschen finden

Bereits die Junghunde sollten früh in das Training einsteigen. Denn neben dem Trainingsstand, sind die Tagesform des Hundes und unbeeinflussbare Gegebenheiten wie Geologie, Thermik und Umgebung ausschlaggebend für den Erfolg einer Rettungssuche. Vom Punkt der letzten Sichtung einer vermissten Person ab, durchkämmt das Team der Flächensuche in einem Radius von einem Kilometer Wald, Wiesen, Berghänge und Felder. Die Hunde sind dafür ausgebildet, jeden menschlichen Geruch zu erkennen und bis zu seinem Besitzer nachzuverfolgen. Welcher Mensch das ist, ist erstmal egal - ob nun gesuchte Person oder unbeteiligter Spaziergänger. Auf die Verfolgung der Zellspur eines bestimmten Menschen ist die zweite Sparte der Rettungshundestaffel ausgerichtet – das Mantrailing. Dabei nehmen die Hunde den Geruch der vermissten Person auf und können diese auch Tage nach der letzten Sichtung noch verfolgen – auf dem Land oder in der Stadt. Je nach Rasse können die Vierbeiner bis zu 1000-mal besser riechen als Menschen.
 

Helfer auf leisen Pfoten

Neben der Flächensuche und dem Mantrailing, ist die Trümmersuche die dritte Sparte der Rettungshundestaffel. Die eifrigen Arbeiter auf vier Pfoten durchkämmen dann Gebiete, die etwa durch Explosionen oder Naturkatastrophen verschüttet wurden und unter deren Trümmern Menschen um ihr Leben ringen. Dann muss es schnell gehen, weshalb die Hunde auch nur bei noch lebenden Personen ihrem Hundeführer einen Fund rückmelden. „Tote Menschen riechen anders, genauso wie Diabetiker oder Schwangere. Die Hunde kennen den Unterschied“, erklärt Michael Schabdach. Er ist seit eineinhalb Jahren mit seiner Labradorhündin Ronja in Ausbildung im Miesbacher Team. Zuvor war er bei der Staffel in Erding und mit seinem damaligen Hund etwa im Einsatz nach einem schweren Erdbeben in der Türkei.
 

Zeitintensives Engagement

Die ehrenamtliche Arbeit verlangt den Hunden und ihren Führern sowohl körperlich als auch mental vieles ab. Hinzu kommt der Zeitaufwand: Nach zweieinhalb Jahren Ausbildungszeit sind mindestens zehn Stunden Training pro Woche, oft zwei Übungseinsätze am Wochenende und unzählige Stunden eigenverantwortliches Training mit den Hunden an der Tagesordnung. Hinzu kommen die Einsätze – zwischen 30 und 40 im Jahr. „Manchmal wochenlang kein einziger, dann drei am Tag“, erzählt Christian Schubert. Er als Staffelleiter muss noch zehn Stunden Verwaltungsarbeit pro Woche mit dazu rechnen. Alle Hundeführer arbeiten ehrenamtlich, die komplette Staffel finanziert sich lediglich aus den Einnahmen des BRK-Kreisverbandes und privaten Spenden. „Wer interessiert ist, der muss die Bereitschaft mitbringen, den Großteil seiner Freizeit für diese Arbeit zu geben“, sagt der Schlierseer.
 

Lebensrettender Standard

Das Team der Rettungshundestaffel ist 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche, 24 Stunden abrufbereit. Vom Piepsen des Melders bis hin zur Übernahme durch die Rettungssanitäter bei verletzten Personen können teilweise mehrere Stunden vergehen. Egal welches Wetter, egal welche Uhrzeit, egal welcher Tag – die Mensch-Hund-Teams des BRK kommen, wenn das Leben eines Menschen gefährdet ist. Alle zwei Jahre werden sie nach einer gemeinsamen Richtlinie geprüft – die Hunde auf ihre Leistungsfähigkeit, ihre Besitzer auch auf ihre Sanitätereignung. Fällt der Führer oder der Hund bei dieser durch, gilt eine Einsatzpause und eine erneute Prüfung muss abgelegt werden. Ein hoher Standard, der im Zweifelsfall über Leben und Tod entscheidet.
 

Besonderes Gemeinschaftsgefühl

Der Übungseinsatz im Wald in Kreuth ist jedenfalls ein voller Erfolg. Alle Helfer wurden von den insgesamt zwölf Hunden im heutigen Training gefunden. Die Vierbeiner werden mit einer Runde spielen, loben, schmusen und füttern für ihren Einsatz belohnt und alle neun Hundeführer sitzen zusammen und machen Brotzeit. Es ist ein besonderes Gemeinschaftsgefühl, dass die Mitglieder BRK-Rettungshundestaffel verbindet. Ich verlasse die Truppe mit einem Gefühl der Sicherheit. Denn ich weiß nun aus eigener Erfahrung, dass mich und alle anderen Menschen die in Not geraten, die Retter auf vier Pfoten mit ihren Hundeführern der BRK-Rettungshundestaffel Miesbach finden würden.

Hundehalter und Waldbesitzer, die der Staffel ihr Grundstück für Übungen zur Verfügung stellen möchten, können sich bei Interesse direkt an Staffelleiter Christian Schubert wenden. Kontakt: Mobil 0176/41043455, E-Mail rettungshundestaffel@kvmiesbach.brk.de, Website www.rhs-miesbach.de und Instagram brk_rhs_miesbach.

Text und Fotos: Selina Benda

Impressionen

Retterhund des BRK, © Selina Benda
Retterhund

© Selina Benda

Übungsrettung eines Retterhundes der BRK Hunderettungsstaffel, © Selina Benda
Übung Hunderettungsstaffel

© Selina Benda