Wochenmarkt_Miesbach_Florian Bachmaier_2019, © Kulturamt der Stadt Miesbach
Der Musikant, © Verena Wolf

Der Miesbacher Musikant

Nah am Kunden

Dank der exzellenten Kundenbindung hat DER MUSIKANT in der Corona-Zeit kaum Federn gelassen. „Wir hatten etwa 6 Wochen ganz zu, waren aber im Laden und wenn jemand anrief, haben wir ihm das Gewünschte zukommen lassen“, erzählt Ruml in seiner charmant-ruhigen Art. „Manchmal war es wie im Spionagefilm – da hat es am Fenster geklopft und wir haben uns dann durch die Scheibe verständigt…“ So fanden gerade in einer Zeit, in der die Menschen gezwungenermaßen mehr in Rückzug lebten, Noten, CDs und Instrumente den Weg in Häuser und Wohnungen. „Doch, ich hatte schon den Eindruck, dass sich viele mit Musik beschäftigt haben. Wir haben auch wieder reges Kundeninteresse, seit wir wieder aufgemacht haben“, bekräftigt Ruml. Das ist gut für den Laden, der in Miesbach eine lange Tradition hat: „Nachdem Wolfgang Oberhorner den Laden 11 Jahre lang hatte, ging er für 25 Jahre an Wolfgang Klaus über. Bei ihm habe ich drei Jahre gelernt, dann hat er das Geschäft übergeben. Er selbst ist aber noch immer in der Werkstatt nebenan tätig.“

 

Eine wahre Fundgrube

So aufgeräumt es im DER MUSIKANT auf den ersten Blick aussieht, so viele Geheimnisse birgt der von außen eher unscheinbare Laden. Schaut man etwa drinnen einmal ums Eck, fallen als Erstes die Gitarren ins Auge. DER MUSIKANT bietet eine Riesen-Auswahl dieses wohl beliebtesten Instruments: Ob Konzert-, Western oder E-Gitarre, ob Banjo oder Bass – DER MUSIKANT hat einfach alles. „Es gibt ja nicht DIE eine Gitarre“, weiß Ruml, der Musiker und Geschäftsmann in einem ist. „Jedes Instrument klingt anders. Es muss auch nicht die Teuerste sein. Man muss den Klang mögen. So ein Instrument hat eine Persönlichkeit – schon weil es aus Holz ist, das immer eine andere Klangfarbe generiert.“ Nikolaus Ruml holt etwas hervor, das ich erst für eine Mini-Gitarre halte. „Das ist eine Ukulele“, erklärt er. „Die werden sehr gerne von den angehenden Erzieherinnen aus der Frauenschule gekauft. Sie sind ideal für die Begleitung, weil sie einfach zu spielen und gut zu halten sind“, beschreibt Nikolaus Ruml die Vorzüge des handlichen 4-saitigen Instruments. Er zupft eine kurze, weiche Melodie und sofort habe ich den schmelzenden Hawaii-Sound im Ohr, den wir alle spätestens seit “Somewhere over the Rainbow“, gesungen von Israel Kamakawiwoʻole, kennen.

 

Weil Musik verbindet

Nikolaus Ruml selbst spielt Gitarre und Mundharmonika und macht gleich in zwei Gruppen Musik: Die „Wolfhoundz“ sind eine Irish Folkrock-Band, und die „Bieramiden“ spielen Bayrischen Punkrock. „Das ist ja das Schöne an Musik – für jeden Geschmack ist was dabei. Man sieht es den Kunden schon an der Nasenspitze an, für welche Musikrichtung sie sich begeistern. Wenn eine junge Frau in einem schönen Kleid zu uns kommt, dann weiß ich, dass sie sich für zarte und komplexe Musik begeistert – für Klassik oder echte Volksmusik etwa. Schlendert ein Junge in dunkler Lederjacke auf den Laden zu, suche ich im Geist schon mal nach der passenden Gitarre oder richte mich auf eine Bestellung für ein Schlagzeug ein.“ Schnell merkt man, dass Nikolaus Ruml nicht nur Musik liebt. Es sind die Menschen und ihre Geschichten, die ihn beschäftigen: „Da kam zum Beispiel an einem Samstag eine junge Familie in den Laden – Vater, Mutter, fünfjähriger Sohn und Baby, und alle schön gemacht – um dem Junior eine Gitarre zu kaufen. Als sie gingen, hatten sie eine prachtvolle E-Gitarre gekauft. Für den Papa.“ Der war im DER MUSIKANT wieder jung geworden und hatte sich mit der Gitarre im coolen Glitzerlook samt technischem Equipment einen Traum erfüllt. „Ich mag Musik, weil man machen kann, was man liebt“, denkt der Ruml laut… „Man kann etwas ausprobieren. Das hört auch nie auf. Neulich kam ein Neu-Rentner in den Laden und sagte: „Ich wollte schon immer Musik machen. Wenn es recht ist, probiere ich einmal aus, welches Instrument mir liegt.“ Nach gut einer Stunde verließ er das Geschäft mit einer Steirischen Harmonika. „Was mich narrisch freut ist, dass er mit dem Instrument echt glücklich ist. Er spielt für sich selbst und kauft ständig neue Noten – einfach weil es ihm gut tut.“

 

Anfangen – mitmachen – Freude haben

Dass Musik unverzichtbar wichtig für die seelische und persönliche Entwicklung ist und das Leben reicher macht, ist wohl nichts, worüber man streiten kann. Aber was tun, wenn man selbst unmusikalisch ist? „Richtig unmusikalisch ist eigentlich kaum jemand“, ist Nikolaus Ruml überzeugt. „Die meisten denken, wenn sie nicht richtig singen können, sind sie unmusikalisch. Aber es reicht ja aus, wenn man sich für Musik begeistert, dann hat man schon einen Zugang. Und es gibt so viele Instrumente, die man lernen kann.“ Wie gut, dass es in Miesbach und Umgebung eine so lebendige Musikszene gibt – vom Unterricht in der Schule über Privatlehrer bis hin zu Chören und Orchester – kann jeder jederzeit in die Musik einsteigen. „Ich finde es schön, wenn schon bei Kindern die Liebe zur Musik entstehen kann“, überlegt Nikolaus Ruml und denkt an die eigene Kindheit, in der die Liebe zur Musik beinahe für immer begraben worden wäre: Im Grundschulalter wollte er Gitarre spielen, musste stattdessen aber in den Flötenunterricht... „Gottseidank hab ich mich als Jugendlicher wieder an meinen ersten Wunsch erinnert und hab mit der Gitarre angefangen. Da habe ich dann auch gemerkt, dass das Notenlesen und alles Drum und Dran aus der Flötenzeit einen guten Sinn gehabt hat.“ Bei allem Üben und Lernen, sollte man nicht vergessen, dass Musik Spiel ist. Und deshalb wird das Ausprobieren im DER MUSIKANT großgeschrieben. Schon für die Kleinsten ist der Laden eine wahre Fundgrube, in der man von der Babyrassel in Eiform oder exotisch-bunte Vogelpfeifen über das Xylophon bis zum Tamburin herrliche Instrumente für Elementarmusik findet. Da laden nicht nur die Kastagnetten und Didgeridoos im „Kruschschrank“ zu musikalischen Experimenten ein!

 

Vollsortimenter für Profis

DER MUSIKANT bewahrt einen wahren Schatz an Instrumenten, ist aber auch in allem Zubehör fantastisch sortiert: Notenständer und Stimmgeräte, Gitarrenriemen für jeden Geschmack, Nützliches wie Wischer und Blätter für's Saxophon, Stützen für die Geige oder Klarinettenblätter, ein neues Plektron, eine Marschgabel… und natürlich Noten! Einladend sortiert, stehen hier Klaviersonaten neben dem Van Halen Keyboard Songbook, Kinderliedern, Flötenschulen und vielem mehr. „Wir sind der einzige Vollsortimenter im ganzen Landkreis. Und selbst aus München kommen Kunden, weil wir eine Riesenauswahl an echter bayrischer Volksmusik haben. Da sind alte Aufnahmen dabei wie z.B. den Wegscheider Musikanten oder bayrischer Dreigesang von den Fischbachauer Sängerinnen und vor allem haben wir eine große Auswahl an Blasmusik.“ Die ist ja in Miesbach ewig jung und gehört in manchen Familien zum gelebten Alltag. Deshalb schimmern im DER MUSIKANT prachtvolle Instrumente wie Tuba, Trompete, Posaune oder Hörner, deren verschlungene organische Formen schon optisch eine Augenweide sind. Ganz nah dran am bayrischen Lebensgefühl sind die handgeschnitzten Figuren typisch bayrischer Volksmusik. Und ebenso typisch für DER MUSIKANT ist, dass die gute alte Tradition hier ebenso zuhause ist wie die Verheißungen der Moderne. Dafür, dass gerade im Bereich der E-Musik alles rund läuft, sorgt Pascal Lischka. Nikolaus Ruml kennt ihn seit Jugendtagen und man merkt gleich, dass hier die Chemie stimmt. Ein Highlight für Freunde der E-Musik ist übrigens die Klavierkammer. Sie ist zwar ein wenig versteckt, aber hier stehen die E-Pianos in Weiß und Schwarz, die schon beim ersten Anspielen verheißungsvoll nach Mehr klingen und von künftigen Konzerten träumen lassen…

Text und Foto: Verena Wolf

 

KONTAKT
Der Musikant
Nikolaus Ruml
Marktwinkel 16
Tel.: 08025  2580
www.dermusikant.de
info@dermusikant.de

 

ÖFFNUNGSZEITEN
Mo.-Fr.: 10.00 – 18.00 Uhr
Sa: 10.00 – 13.00 Uhr
Mi: Ruhetag

Impressionen

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Zwiebeln, © Kulturamt der Stadt Miesbach
Zwiebeln

© Kulturamt der Stadt Miesbach

Gemüse von einem Marktstand, © Kulturamt der Stadt Miesbach
Am Markt

© Kulturamt der Stadt Miesbach

Blumen am Markt, © Kulturamt der Stadt Miesbach
Blumen am Markt

© Kulturamt der Stadt Miesbach

Margot und Lisa auf dem Grünen Markt in Miesbach, © Kulturamt der Stadt Miesbach
Margot und Lisa

© Kulturamt der Stadt Miesbach