Vor dem Herbstkonzert 2022, © Chor- und Orchesterverein
Chor- und Orchesterverein Konzert, © Chor- und Orchesterverein

Das Herbstkonzert – musikalischer Hochgenuss

Das ganze Jahr über probt der Chor- und Orchesterverein, um die Zuhörer mit einem weit gespannten Bogen mitreißender Melodien zu unterhalten.

 

Georg Sollfrank, der Vorstand des Chor- und Orchestervereins und seine Frau Christa haben mich an diesem milden Novembertag in ihr gemütliches Haus in Holzkirchen zum Interview eingeladen. So erfahre ich aus erster Hand eine Menge Hintergründe über den so beliebten Chor und das großartige Orchester – beide sind aus langer Tradition reine Laienensembles.

„Das gemeinsame Herbstkonzert von Chor und Orchester ist für uns der wichtigste Termin im Jahr. Und der Aufritt des Chors am Heiligen Abend auf dem Miesbacher Friedhof ist genauso wichtig für uns.“

 

Engagierter Vorstand

Dass der freiberufliche IT-Experte Georg Sollfrank, der seit 1980 in Holzkirchen lebt, einmal dem traditionsreichsten Chor- und Orchesterverein der Stadt Miesbach vorsteht, war ihm nicht in die Wiege gelegt. „Und nun sind es schon 10 Jahre“, ist auch seine Frau Christa verblüfft, wie schnell die Zeit vergeht. „Mir liegen einfach das Organisieren und Planen. Ich mache das gerne – und dank meiner Computer-Kenntnisse kann ich die Vereinsarbeit mit Informationstechnik stützen.“ Doch das ist nur ein Teil seiner Aufgaben. Man muss ihm nur eine Weile zuhören, dann weiß man, dass Georg Sollfrank alles tut, um die Gemeinschaft zusammenzuhalten. „Er kümmert sich eben“, bringt Ehefrau Christa das große Engagement ihres Mannes auf den Punkt.

 

Das Singen für sich entdeckt

Zum Singen kam der Holzkirchner, weil schon sein Vater beim Liederkranz Au/Bad Feilnbach gesungen hat. Er trat 1989 der Liedertafel Holzkirchen bei und 1993 wurde er Schriftführer. Bis Mitte 1997 hat er dieses Amt ausgefüllt.

Weil es ihm viel Freude brachte zu singen, wollte er sich verbessern und nahm Gesangunterricht bei Elisabeth Artmeier - damals Solistin beim Freien Landestheater Bayern. Durch sie kam Sollfrank 2002 zum FLTB und in Kontakt mit dem rührigen Rudolf Meier-Kleeblatt. Erst als die Auftritte, meist am Wochenende, immer häufiger wurden, entschied sich Georg Sollfrank 2011 zum Ausstieg. Durch Alexander Maschat, damals auch für das FLTB tätig, kam er in Kontakt mit dem Chor- und Orchesterverein Miesbach. „Kommt doch mal vorbei“, hieß es. Im Frühling 2006 kamen die Sollfranks vorbei und blieben bis heute. Im Frühjahr 2009 wurde Georg Sollfrank Schriftführer und 2014 wurde er zum ersten Mal zum Vorsitzenden gewählt.

 

Lange Tradition seit 1845

Damit ist er Teil einer Kette von Vorständen, die seit 1845 einen Verein führten, der eine bewegte und hochinteressante Geschichte hat. Außer dem Chor gehört auch das Orchester zum Verein – etwa 20 Musiker, die unter der Leitung von Konzertmeisterin Sventha Danneberg, unter anderem auch am 18. November mit dem Chor auftreten. „Das Besondere am Orchester ist, dass es sehr vielfältig besetzt ist“, freut sich Georg Sollfrank darüber, wie gut Chor und Orchester aufgestellt sind. „Zusammen sind wir ca. 45 Musikerinnen und Musiker im Alter von 15 bis über 80 Jahren – da können wir viel bieten.“ Wie auch der Chor probt das Orchester das ganze Jahr über etwa zweimal im Monat. Während die Musiker als Laien spielen, ist die in Heidelberg geborene Sventha Danneberg Vollprofi. Sie lebt seit 1981 im Raum Tegernsee und war über zwanzig Jahre als Konzertmeisterin des „Orchesters Bad Wiessee“ angestellt. Seit 2003 ist sie freiberuflich tätig und führt jetzt das „Salonorchester Bad Wiessee“ sowie das „Künstlerquartett Bad Wiessee“ an.

 

Gemeinschaft leben und Spaß haben

Als ich frage, wie der Verein denn die Corona-Zeit überstanden hat, bekomme ich eine Kostprobe des trockenen Humors von Georg Sollfrank: „Wir hatten zunächst Zoom-Proben. Aber als wir festgestellt haben, dass die Übertragung im Internet von fast jedem PC anders war, haben wir uns für stumme Proben entschieden.“ Ein belustigtes Grinsen hebt seine Mundwinkel und man kann sich wunderbar vorstellen, was der Übertragungstakt für eine Katzenmusik hervorgebracht haben muss. Statt Musik gab es dann den Zoom-Ratsch und der hat den Chor zusammengehalten und auch diese Bewährungsprobe gut überstehen lassen.

 

Ein starker Zusammenhalt

Heute proben alle wieder live und zusammen. Und wie gut alle 25 Mitglieder des Chors harmonieren, kann man bei jedem Auftritt erleben. Und diese Gemeinschaft ist echt. „Wir feiern jeden Geburtstag gemeinsam – stellen uns einfach nach der Probe auf ein Gläschen Sekt zusammen. Und das Geburtstagskind darf sich ein Ständchen wünschen. Auch viele Ausflüge stehen auf dem Programm. Das Ergebnis kann sich nicht nur sehen und hören lassen – es hilft auch als Patentrezept gegen Alter und Einsamkeit: „Wir haben eine Teilnehmerin, die achtzig geworden ist. Sie wollte dann aufhören, aber sie hat aus Freude doch wieder mitgemacht.“ Die jüngste Sängerin ist übrigens 27 Jahre alt. Obwohl Sopran, Alt, Tenor und Bass im Chor gut vertreten sind, ist die Gemeinschaft für Neuzugänge immer offen. „Unterstützung konnten wir im Chor immer brauchen, es gibt Krankheitsfälle und Umzüge, der Sopran ist besonders wichtig, schließlich singen die oft die Melodie, die jedes Lied trägt.“

 

Geheimrezept Julian

Neben der perfekten Organisation, der guten Laune und dem Zusammenhalt gibt es ein weiteres Geheimelixier: Auf jedem Foto des Chors leuchtet der blonde Haarschopf von Julian Heyder, dem Dirigenten, der seit 2014 dafür sorgt, dass die Auftritte jung und spannend bleiben. „Der Julian ist ein Vollblutmusiker“, befindet Christa Sollfrank und erzählt, dass Julian zum Zeitpunkt, an dem er den Chor übernommen hat, gerade einmal 18 Jahre alt war. „Wir haben uns gefragt, was er mit uns Omis und Opas anfangen will, aber es hat vom ersten Moment an super geklappt.“
Der angehende Lehrer für MINT-Fächer spielt nicht nur viele Instrumente und am liebsten Klavier, sondern ist auch Mitglied der Band „Die Sauna“, die mit ihrer Spielfreude und den subversiven Texten ein wenig an die Neue Deutsche Welle und Falco erinnert.
Kein Wunder, dass auch das Repertoire des Chores vielfältig ist. „So wie das Orchester barocke und klassische Stücke spielt und Werke der Unterhaltungs- und Salonmusik präsentiert, singen wir im Chor alles Weltliche von mittelalterlichen Motetten über die klassische Chorliteratur bis zur neuen Deutschen Welle“, betont Georg Sollfrank. „Und im Chor ist es zudem Tradition, dass auch die Mitglieder Vorschläge für Stücke machen, die sie gerne einstudieren würden.“

 

Ein großes Musikerlebnis erwartet die Zuhörer am 18. November

Bei so viel Engagement aller Beteiligten darf man sich auch dieses Jahr wieder auf viel Abwechslung beim Konzert am 18. November 2023 im Miesbacher Gymnasium freuen. „Wir wollen fulminant anfangen, lassen dann ein paar eher sanfte Töne erklingen, ehe es wieder temperamentvoll wird. Und nach der Pause bieten wir ein absolutes Schmankerl für Ohren und Herz, ein 15- minütiges Medley mit Hits von Franz Grothe.“

 

Kontakt

Chor- und Orchesterverein Miesbach

 

Text: Verena Wolf (Miesbacher Verlagshaus)
Fotos: Chor- und Orchesterverein, Verena Wolf

Impressionen

Christa und Georg Sollfrank, © Chor- und Orchesterverein
Christa und Georg Sollfrank

© Chor- und Orchesterverein

Flyer Konzert, © Chor- und Orchesterverein
Flyer Konzert

© Chor- und Orchesterverein

Spontanes Singen in der Pfarrkirche Bad Feilnbach, © Chor- und Orchesterverein
Spontanes Singen in der Pfarrkirche Bad Feilnbach

© Chor- und Orchesterverein

Probe im AWO Altenheim, © Chor- und Orchesterverein
Probe im AWO Altenheim

© Chor- und Orchesterverein

Chor- und Orchesterverein Konzert, © Chor- und Orchesterverein
Chor- und Orchesterverein Konzert

© Chor- und Orchesterverein

Chorwochenende in Bad Feilnbach 2023, © Chor- und Orchesterverein
Chorwochenende in Bad Feilnbach 2023

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Vor dem Herbstkonzert 2022, © Chor- und Orchesterverein
Vor dem Herbstkonzert 2022

© Chor- und Orchesterverein