Drei gemalte und aufgehängte Bilder , © Veronika Leo
Eva Hörbst, © Veronika Leo

Begabt in feinen Dingen – Goldschmiedin Eva Hörbst

Eva Hörbst ist eine kreative Dame, die in sich ruht und der man das Künstlerische auf den ersten Blick ansieht. Die Miesbacherin betreibt die Goldschmiede Hans Brandl in der Innenstadt und hat auch in anderen Künsten ein unglaubliches feinsinniges Gespür.

Als ich mich mit der Goldschmiedemeisterin Eva Hörbst vor ihrem Laden treffe, muss ich zunächst die vielfältigen Schmuckstücke in den Schaufenstern bewundern. Hier gibt es neben klassischen Gold- und Silberwaren sowie traditionellen Geschmeiden auch moderne Kostbarkeiten und kreative, außergewöhnliche Schätze. Ihre Goldschmiede ist ein echter traditioneller Familienbetrieb in Miesbach – aktuell arbeiten hier Eva und ihr Sohn Thomas sowie zwei weitere langjährige Mitarbeiterinnen.
 

Altehrwürdiger Familienbetrieb und neue Einflüsse

Übernommen hat die jetzige Inhaberin das Geschäft 1997 von ihrem Vater Martin Hörbst. Damals war der Laden mit Werkstatt am Lebzelterberg ein Uhren-Schmuck-Geschäft. Denn ihr Vater war gelernter Uhrmacher und hat den Betrieb seines Großonkels Hans Brandl seinerzeit weitergeführt. Der Name ist bis heute geblieben – Goldschmiede Hans Brandl, nur hat Eva Hörbst irgendwann beschlossen das Uhren-Schmuck-Geschäft zu einer „echten“ Goldschmiede umzubenennen. 2019 hatte das Geschäft Hans Brandl 100-jähriges Bestehen, leider fiel die geplante kleine Feier der Pandemie zum Opfer. Bescheiden schildert Eva – groß wollte sie eh nicht feiern, denn es sei ja nicht ihr Verdienst gewesen die 100 Jahre…. Und eigentlich war ihr Plan gewesen zum 100-Jährigen aufzuhören. Zurückhaltend erzählt sie, dass sie vor ein paar Jahren dachte „100 Jahre – das sei dann einfach mal genug.“ Doch wie das Leben oft so spielt, kam alles anders: nach einer anderen Lehre schwenkte ihr Sohn Thomas um und erlernte ebenfalls das Goldschmiede-Handwerk mit dem festen Willen das Geschäft der Mutter zu übernehmen.

Sie selbst arbeitet seit 43 Jahren als Goldschmiedin. Gelernt hat sie als junges Mädchen in Bamberg und blieb dort noch weitere zwei Jahre als Goldschmiedegesellin. Im Anschluss wechselte sie nach Bayreuth zu einem Juwelier und absolvierte später die Meisterschule in München. Ab 1987 arbeitete sie im elterlichen Geschäft mit. Sie ist glücklich ein Geschäft in Miesbach zu haben, weil sich hier ein gemischter Verkauf gut etabliert hat: sie bietet in ihrem kleinen Geschäft also neben eigenen Werken auch Reparaturen und andere Schmuckarbeiten zum Verkauf an. So wird der Druck auf eigene Schaffenswerke nicht so groß und man kann in Ruhe schöne Dinge entwickeln, die dann mit großer Freude im Laden einen neuen Besitzer finden.

Am liebsten arbeitet sie aktuell mit Kupfer, aus dem sie Faltarbeiten fertigt und auch für das Schmieden mit Stahl kann sie sich begeistern. Treibarbeiten machen ihr derzeit große Freude, dabei geht es ihr in erster Linie nicht so sehr um den Verkauf, sondern um die Kunst des Gestaltens an sich. Vor einiger Zeit entdeckte sie auch die Liebe zu etwas größeren Gestaltungsmöglichkeiten und fertigte Windspiele an. Eine ganze Serie, die sich dann überraschender Weise gut verkauften.

Wichtig ist, dass man sich stetig weiterentwickelt und aktuell bleibt, nicht dass man Dinge macht, die irgendwann keiner mehr sehen kann, so die Meinung der kreativen Künstlerin. Auch aus diesem Grund freut sich Eva ihren Sohn Thomas im Geschäft zu haben. „Denn ein junger Mann hat seine ganz eigenen Vorstellungen und Forderungen und da ist man dann wieder ziemlich auf Zack!“ erklärt sie mir mit einem sanften Lächeln.
 

Einfallsreiche Schöpfungen

Überhaupt hat man im Gespräch das Gefühl, dass sie für kleine feine Dinge ein besonderes Gespür hat – zum Interview haben wir uns auf ihrer privaten Terrasse niedergelassen. Diese liegt mitten in einem verwunschenen Dornröschen-Garten: die Bienen summen, alles blüht und im großen Haselstrauch klingelt zart ein Windspiel. Beim näheren Hinsehen entdecke ich allerlei Schmuckstücke natürlicher Art – hier zauberhafte Schneckenhäuser zu einer Skulptur zusammengefügt, dort ein besonderes Holzstück und in manchen Pflanzeimern stecken anmutende Dekore. Hier vergisst man schnell, dass man sich in der Miesbacher Innenstadt befindet. Im Haus gibt es ebenfalls viel zu bestaunen – pittoreske große Bilder verzaubern die Wände und es wird einem klar, dass Eva Hörbst nicht nur begabt ist im Fertigen kleiner Schmuckstücke. Ihre Leidenschaft ist das Malen, zur Aktion „Kunst im Schaufenster“ in diesem Frühjahr hatte sie ihre eigenen Bilder im Geschäft ausgestellt. Wobei sie wiederum bescheiden beteuert, dass sie in erster Linie für sich als Ausgleich malt. Meistens liebt sie hier eher das Großzügige, Halb-Abstrakte. Lange Zeit beschäftigte sie sich mit Aktzeichnen, doch aktuell tendiert die Amateurmalerin eher wieder zur Natur. Sie kritzelte und zeichnete, wie sie es beschreibt, schon immer gerne. In ihrer Ausbildung musste Eva damals die Entwürfe mit Aquarell auf Schwarzkarton illustrieren und eines Tages hatte sie sich gedacht – man muss mit den Aquarellfarben, doch auch etwas anderes anfangen können.

Doch Aquarell malt sie heute nur noch sehr wenig – „Acryl ist meins!“ versichert sie fast ungewohnt stolz. Vor Jahren besuchte sie vhs-Kurse bei Werner Gürtler, der sie in puncto Zeichnen sehr weiter gebracht hat. Woher sie ihre Ideen nimmt, frage ich sie. Ihre Antwort klingt wie ein ästhetisches Bild: „Es gibt Sachen, die mir wirklich am Herzen liegen, egal ob Schmuck oder Malerei und die kommen dann einfach so. Ich habe ja immer wenig Zeit und da habe ich dann schon ganz viel im Kopf, aber nur wenn ich Muße habe. In Corona-Zeiten zum Beispiel hat’s nur für ein paar kleine Aquarelle gereicht, da hatte ich den Kopf mit anderen Dingen voll…“
 

Die Zukunft liegt anderswo

Eine Zeitlang wird sie ihren Sohn im Geschäft noch unterstützen, aber dann möchte sie in die Oberpfalz gehen – der Liebe wegen. „Ich werde immer Handwerkerin bleiben und was machen, aber anders als jetzt und es ist gar nicht so schlecht, wenn ich dann nicht immer hier in Miesbach bin, weil dann hat der Thomas gewisse Freiheiten im Geschäft und das ist wichtig.“

Die Oberpfalz gefällt ihr, weil es dort ruhiger und ursprünglicher ist als bei uns. Natürlich wird ihr Miesbach fehlen, wenngleich sie sich eine kleine Wohnung behalten will um Freunde und Familie zu besuchen. Aber die Oberpfalz ist zu einer zweiten Heimat geworden – sie liebt den Blick auf den Arber und die schöne weiche Landschaft und „dass es dort ein bisschen wilder ist, als bei uns“ erzählt sie verschmitzt lächelnd. „Do bin i einfach do, und des passt irgendwie für den nächsten Lebensabschnitt…“

Text: Veronika Leo
Fotos: Eva Hörbst, Veronika Leo

Impressionen

Stadt Miesbach, © Dietmar Denger
Stadt Miesbach

© Dietmar Denger

Stadtführungen_Drohnenaufnahme Miesbach_1920x1280
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Miesbacher Tracht_Titel_Stadtplatz
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Genussführung_Sonja_Still (2)
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MB_Wochenmarkt-0081_1920x1280
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