Studium Generale am Vormittag: Literatur: Annette Kolb

Am 15.07.19

Originalität und Eigensinn, das zeichnet die Münchner Schriftstellerin Annette Kolb (1870 bis 1967) vor allem aus. Als Tochter eines berühmten Münchner Gartenarchitekten und einer französischen Musikerin hat sich immer wie ein Zwischenwesen gefühlt. Gerade deswegen entwickelte sie erstaunlich viel Lust an unideologischer Gesellschaftskritik und leidenschaftliches Engagement für Völkerverständigung: auch in der Zeit der beiden Weltkriege, die sie ins Exil trieben, auch im Nachkriegsdeutschland unter Konrad Adenauer. Lebenslang setzte sie sich vor allem für eine Heilung der deutsch-französischen Beziehungen ein.
Der Vortrag zeichnet die Stationen von Annette Kolbs langem und bewegten Leben und die wesentlichen Inhalte ihres Schreibens und Denkens nach: ihre Kritik am wilhelminischen Nationalismus und Chauvinismus, ihre Trauer um den Verlust bayerischer Selbstständigkeit nach der deutschen Reichsgründung, ihren Kampf gegen Kriegshetze und Hitlerbarbarei, ihre Suche nach einer eigenständigen weiblichen Position in der Welt und einer zukunftsweisenden europäischen Humanität, die gleichzeitig tief verwurzelt ist in der bayerischen Kultur und in den bayerischen Landschaften. Wir lernen das Bayern kennen, das Annette Kolb liebte und das mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs untergegangen ist: das kunstverliebte Bayern der Wittelsbacher mit seinen engen Beziehungen zu Frankreich, die lebhafte, unkonventionelle Münchner Künstlerszene der Prinzregentenzeit.

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am 15.07.19

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